Viva Las Vegas

Die Hitze erdrückt einen, aber Las Vegas knallt trotzdem. Ganz standesgemäß kreuzen wir mit unseren treuen Mobilen den Strip um nahe des Formel 1 Start-/Zielbereichs unsere Unterkunft zu beziehen. Seit 2023 ist Las Vegas wieder im Formel 1 Kalender vertreten. Analog zu Monte Carlo handelt es sich dabei um einen spektakulären Stadtkurs für den der sogenannte Las Vegas Strip gesperrt wird, damit die Boliden durch den Kasinobereich donnern können.

Wir freuen uns erstmal über Pool und Air Condition, wobei die Klimaanlagen für unseren Geschmack immer zu kalt eingestellt sind. Zum einen friert man in leichter Kleidung fast schon wieder in den klimatisierten Bereichen und würde am liebsten zum Pulli greifen, zum anderen drückt es den Energieverbrauch in verschwenderische Höhen. Mit diesen Gedanken kommt man als deutscher Bedenkenträger in Las Vegas allerdings nicht wirklich an. Wobei sich die Wüstenstadt langfristig schon Gedanken über diese Art der Stromverschwendung machen muss (s.u.).

Las Vegas beeindruckt und überfordert fast schon mit seiner Glitzerwelt (allein schon Sphere mit seinen etwa 50 Mio LEDs auf der Außenhaut ist extragroßes Kino), der Architektur, den riesigen Kasinos, den tollen Shows. Wir sind hin und weg und doch nach drei Tagen auch wieder froh weiterfahren zu können. Auf Dauer macht das Reisen und Campen in den wunderschönen Nationalparks doch bedeutend mehr Laune, als die maximal auf Konsum und Kommerz ausgerichtete Dauerbeschallung der Sinne. Auch das krasse Nebeneinander von Glanz und Elend, viele Obdachlose bevölkern die Straßen, verstört immer wieder.

Wir verlassen Nevada in Richtung Grand Canyon um uns am Hoover Damm ein Bild vom traurigen Wasserstand des Lake Mead zu machen. Anscheinend hat der Pegel im August 2026 den niedrigsten Stand "ever" erreicht. Für die (Trink)Wasserversorgung in Las Vegas ist das aktuell noch nicht wirklich dramatisch, da in der Vergangenheit die Hausaufgaben hinsichtlich Wasserverschwendung gemacht wurden, doch ein weiteres Absinken würde das Wasserproblem für Nevada und die umliegenden Staaten doch wieder deutlich verschärfen und vor allem eine dramatische Verschärfung der Energiesituation bedeuten. Die Stromgewinnung durch Wasserkraft wäre deutlich eingeschränkt, was einige Probleme nach sich ziehen würde (s.o.)

Über den kleinen Ort Kingman/Arizona, der versucht seine Lage an der Route 66 etwas zu vergolden, erreichen wir den Grand Canyon. Dort erleben wir zum ersten mal seit längerer Zeit wieder richtig frische Temperaturen und ausgiebig Regen. Eigentlich ideale Verhältnisse um in den Canyon abzusteigen wie beim letztem Besuch 2008, siehe Von Tief nach Hoch doch die Wandervorschriften sind mittlerweile so verschärft und streng, dass wir das Thema gar nicht mehr ernsthaft in Erwägung ziehen. Am Campingplatz treffen wir übrigens den ersten VW T6 der ganzen Reise. Während unser Superflitzer seine Motorprobleme dank Additiv überwunden hat, sind die netten Schweizer mit ihrem Fahrzeug zwar ebenfalls sehr zufrieden, nach 1,5 Jahren Reise über ruppige mexikanische Pisten verbuchen sie aber eine kaputte Windschutzscheibe und Probleme an der Lenkung. Analog zu meinem Fall mussten sie leider auch erkennen, dass technische Hilfe in den USA nicht unbedingt zu erwarten ist. Seit mehreren Wochen warten sie schon auf Ersatzteile aus Europa und hängen am Grand Canyon fest. Daumen drücken, dass unseren T6 in den letzten Wochen der Reise nicht das gleiche Schicksal ereilt.

Auch die nächsten Ziele Horseshoe Bend, Glen Canyon Dam, Lake Powell und Page kennen wir von 2008, siehe Von 44 auf 0 in fünf Tagen!!. Auch hier müssen wir erkennen, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist. Der Massentourismus hat auch vor diesen Wüstenzielen nicht halt gemacht und der Wasserstand am Lake Powell ist gefühlt noch krasser als schon am Lake Mead. Was uns aber nicht davon abhält eine sehr coole Kayak- und Wandertour durch den See und den anschließenden Antelope-Canyon zu ziehen. Wobei der Einstieg in den See weit unterhalb der betonierten Bootsrampe eine echte Kletterherausforderung an unsere Reisegruppe stellt und auch gleich ein kleines Stolperopfer fordert.

Sind wir dann schon in Page, sollte man natürlich auch im Monument Valley vorbeischauen und um den von Social Media geprägten Jüngsten zu entsprechen, darf selbstredend auch der Forrest Gump Punkt bei Meile 13 nicht ausgelassen werden. Hier ist vorsichtig fahren angesagt, mitten in der Wüste tummeln sich hier die Foto- und Selfiefreunde auf der (einstmals) einsamen Straße. Schon verrückt, wie die neuen "Medien" die Reise- und Fotovorlieben prägen.

Auch wenn wir es wollten, allen tollen Fotopunkten und Sehenswürdigkeiten werden wir nicht gerecht, die Zeit ist zu knapp bemessen. Obwohl die Fahrstrecken zwischen unseren Zielen dabei teilweise groß sind, bleibt die Fahrerei doch immer spannend. Die Touren sind wie ein lebendiges Roadmovie, innerhalb kurzer Zeit verändert sich die Landschaft in Arizona immer wieder dramatisch. Zurück in Colorado finden wir dann den Weg zurück in die Rocky Mountains und hängen noch eine Nacht in Durango ab. In Durango ist nicht nur der Ortsname cool, auch der alte Ortskern versprüht einen lässigen Charme und im Saloon haben wir echtes Westernfeeling. Der Pianist gibt für die deutschen Gäste (=uns) gleich auch noch ein schönes Deutschland-/Europa-Medley zum besten. Damit hat er bei uns ein schönes Trinkgeld sicher.

Datum: 17.08.2026 (Tag 73) - Tachometerstand: 109607km - gefahrene Kilometer Auto: 11387km (davon USA: 10495km / Kanada: 892km) - gefahrene Kilometer Fahrrad: 860km - Ort: Durango (Colorado / USA)

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