Den krönenden und würdigen Abschluss unserer Nationalpark-Tour bilden die Great Sanddunes, ihre mächtige Größe und Höhe lässt sich schon weitem erahnen. Viele Dünen erreichen an die 200m Höhe, die höchste Düne kratzt sogar an der 230m-Marke. Ellie hätte sich keinen besseren Platz für ihren Geburtstag wünschen können. Der wunderbar gelegene Campingplatz bildet die traumhafte Kulisse für ihren Jubeltag.
Danach noch einmal schlafen und schon sind wir schon wieder am Ostrand der Rocky Mountains angekommen. Von unserem Zeltplatz haben wir den perfekten Blick auf den fast 4300m hohen Pikes Peak, den Hugo und ich fünf Wochen vorher bestiegen habe, siehe Ab in die Berge.In Colorado Springe spielen wir auf Wunsch des Geburtstagskindes auch noch einmal eine Runde Topgolf. Mal sehen ob diese höchst unterhaltsame (digitale) Golfvariante ihren Weg von den USA nach Europa finden wird. Anscheinend ist dieses in den Staaten sehr populäre "Freizeitvergnügen" zumindest in Oberhausen schon angekommen.
Nach dem Vergnügen steht dann aber auch wieder knallhart die Pflicht im Vordergrund. Isabel, Franzi, Emil und Oli bringen das WoMo zurück zum Verleiher und steigen in Denver in den Flieger nach München. Ellie und ich haben ca. 2700km harte Kilometer vor der Brust, die wir in drei Tagen abspulen wollen um das Fahrzeug pünktlich in Baltimore am Hafen abzugeben. Was man verklärend als spannendes Asphaltabenteuer sehen könnte, ist leider (bei so engem Zeitplan) echte Arbeit gepaart mit Langeweile. Vorbei sind die Zeiten, wo sich wie in Utah, Arizona und in Teilen Colorados die Landschaften innerhalb weniger Kilometer dreimal von dramatisch nach spektakulär verändern. Fast 2000km ist die Landschaft nur flach bis sehr flach, verändert sich nur marginal von langweilig bis sehr langweilig und sieht dabei über weite Strecken immer gleich aus. Je weiter man dabei nach Osten kommt, wird es immer grüner und fruchtbarer. Grob gesprochen geht es von Halbwüste zu Weideland und dann immer mehr Richtung Landwirtschaft, die vor allem vom Maisanbau geprägt ist. Erst auf den letzten Kilometer wenn man die Appalachen kreuzt wird die Landschaft wieder spannender und deutlich bergiger.
Leider weniger monoton ist ab Kansas City der Verkehr. Die Interstate 70 führt direkt durch die an der Strecke gelegenen Großstädte, was bei den teilweise massiven Schlaglöchern und dichtem Verkehr höchste Konzentration beim Fahren erfordert. Zudem ist die I-70 (abhängig vom jeweiligen Bundesstaat) z.T. grundsätzlich in miserablem Zustand und an vielen Stellen eine einzige Baustelle. In Kombination mit rücksichtslosen LKW-Fahrern, die nicht selten mit weit über 100km/h auf der linken Spur unterwegs sind (auch in Baustellen), sorgt das für ein ungutes Gefühl beim Fahren. Wir fangen gar nicht erst an die vielen Unfälle, Staus oder am Straßenrand abgestellten Fahrzeuge zu zählen und sind nur froh zügig durchzukommen. Höhepunkt ist eine 30km lange Baustelle in Indiana, bei der der Verkehr auf der linken Spur in einen von Betonwänden eingegrenzten "Kanal" geführt wird. Kurz vor der Ausfahrt aus der Baustelle haben sich drei Fahrzeuge dermaßen zwischen die Betonwände verkeilt, dass es kein vorwärts und rückwärts mehr gibt. Etwa 15km Stau hat sich dahinter gebildet, bevor die Polizei die Einfahrt blockieren konnte. Hunderte von Autos sind damit kurz vor Einbruch der Nacht hoffnugslos gefangen. Wir selbst hatten Glück im Unglück, weil wir wegen einer anderen Verspätung die Stelle erst nach Sperrung der Spur erreichen.
Das Schicksal vieler anderer Verkehrsteilnehmer, die ihr Vehikel am Straßenrand abstellen mussten (und vermutlich aus Geldmangel?? auch nicht abschleppen lassen), bleibt uns zum Glück erspart. Der Rote Flitzer schnurrt gen Osten als hätte es nie Motorenprobleme gegeben. Kurzer Schreckmoment noch hinter Kansas City, als sich an der Tanstelle eine Riesenlache unter dem Auto bildet. Zum Glück läuft aber kein Sprit oder ähnliches aus, sondern es handelt sich nur um Wischwasser. Auch der kurze Motorzuckler bei Washington D.C. lässt uns kalt, haben wir doch schon fast den Hafen erreicht. Bevor wir aber in Baltimore einschiffen, machen wir noch einmal in der Haupstadt Station. Analog zum ersten Besuch, siehe Interstate wir kommen zeigt sich auch heute die Stadt nicht wirklich besucherfreundlich. Nach dem Ultimate Fighting Event im Juni, steht an diesem Wochenende ein Indycar-Rennen mitten im Stadtzentrum an, das passend zur Unabhängigkeit über 250 Runden gehen soll. Große Teile der Washington Mall sind blockiert und zugestellt und an jeder Ecke stehen Aufpasser, Ordner, Polizisten, das FBI und auch die Nationalgarde bereit. Dafür dürfen wir dieses mal das Lincon Memorial bewundern, dass im Juni noch abgesperrt war. By the way, der vielzitierte Reflecting Pool ist mittlerweile nicht mehr algengrün, sondern auch schon wieder Baustelle und ohne Wasser.
Wir machen einen großen Haken hinter die Weltpolitik und Mr. Trump, der während unseres Aufenhatltes ebenfalls noch einfliegt, begleitet von laut donnernden Düsenjägern. Weiter geht es die wenigen Kilometer nach Baltimore, das fast schon mit Washington verwachsen ist. Auch wenn Baltimore im Vergleich zum mächtigen Nachbarn einer vielleicht eher etwas zweifelhaften Ruf genießt und in den Kriiminalitätstatistiken der USA leider immer vordere Plätze belegt, so kann die Stadt durchaus mit einem attraktiven Zentrum rund um den Inner Harbour renommieren. Anschließend an diesen Flanier-, Ausgeh und Parkbereich reihen sich schöne Altstadthäuser an gepflasterten Straßen.
Auch die nächste wichtige Stadt an der Ostküste, die wir nach der absolut schmerzfreien Fahrzeugabgabe erreichen, zeigt sich durchaus adrett. Philadelphia ist ein bedeutendes Zentrum der amerikanischen Geschichte und war temporär sogar Hauptstadt der USA (1790-1800). Die aufgeräumte Innenstadt zeigt sich lebenswert, kulturell interessant und vor allem weit weniger hektisch als den Big Apple, dessen Besuch den Abschluss der Reise bedeuten wird. Wichtig an der Stelle wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass der Eindruck den amerikanische Städte dem Besucher mitgeben, immer sehr stark vom jeweiligen Stadtteil abhängen. Oft sind es nur wenige Blocks/Schritte, die hässlich, gefährlich, unansehnlich von attraktiv und friedlich trennen. Zitiert sei an dieser Stelle unser iranisch-amerikanischer Taxifahrer aus Baltimore, der auf mein Lob, dass die Stadt doch durchaus sehr schön sei, nur lapidar und vielsagend meinte, "Ja, hier schon.."
Datum: 27.08.2026 (Tag 83) - Tachometerstand: 112860km - gefahrene Kilometer Auto: 14640km (davon USA: 13748km / Kanada: 892km) - gefahrene Kilometer Fahrrad: 860km - Ort: Philadelphia (Pennsylvania / USA)

















































