Home sweet home

Die Fahrt mit Amtrak von Philly nach New York läuft gewohnt locker durch. Auch wenn der Zugverkehr in den USA im allgemeinen keine bedeutende Rolle spielt, so sind die Bahnhöfe (im Vergleich zu Deutschland) doch immer in einem tadellosen Zustand und der Service im Großraum New York verlässlich. Knapp drei Monate nach Abschied vom Big Apple rollen wir also wieder in der Moynihan Train Hall (Penn Station) ein. Checken kurz am Madison Square Garden vorbei und ziehen dann Richtung Times Square um unser Hotel zu beziehen. Schon cool, wenn man sich wie selbstverständlich durch die Weltstadt bewegen kann, weil man viele Ecken mittlerweile einfach gut kennt. Wir sind das Idealbild des abgeklärten Travellers, wie unser alter Reisefreund Proland sagen würde.

Unser Programm in New York ähnelt in Teilen dann sehr den Tagen im Juni, ist die Stadt doch neu für Ellie, aber auch für Isabel und Alex, die wir einen Tag später am Flughafen John F Kennedy willkommen heißen dürfen. Auch weitere bekannte Gesichter dürfen wir begrüßen. Eine Schulfreundin von Ellie, samt Familie, weilt in der Stadt. Wir haben das Glück die Niederlassung der LBBW im 40.Stock hoch über dem Times Square besuchen zu dürfen und zudem treffen wir Yaeko und ihre Freundinnen, die für die US Open aus Kalifornien in die Stadt gekommen sind. 31 Jahre nachdem wir uns das erste Mal in New York getroffen und kennen gelernt haben, gibt es so ein freudiges Wiedersehen an der Ursprungsstätte unserer Verbindung. Wirklich schön hier am Ende der Reise noch einmal die deutsch-amerikanische Freundschaft zu pflegen. Wenn es aktuell außenpolitisch schon nicht geschieht, dann wollen wir das zumindest im Kleinen leben.

Die Tage rauschen durch, gefüllt mit spannenden Aktivitäten und auch wenn es leider nicht klappt mit dem geplanten Besuch der US Open, so wird es keine Sekunde langweilig. Ein kleiner Höhepunkt ist dann noch der Besuch des 911-Museums, dass an das Attentat auf das World Trade Center erinnert. Fast passend zum 25. Jahrestag des Terroranschlags führt einen das großartig angelegte Museum durch mehrere Räume bis in die Tiefe zu den freigelegten Fundamenten der zerstörten Zwillingstürme. Hier wird einem "im Kleinen" noch einmal besonders deutlich, dass die USA so viel mehr kann und ist als Burger, schlechtes Frühstück und Energieverschwendung um nur einige Klischees zu nennen. Sie kann eben auch, gerade hier in New York Kultur, innovative Architektur und vieles, vieles mehr.

Doch auch wenn uns am Ende etwas die Wehmut packt, so freuen wir uns dann auch wieder sehr auf Deutschland. Mit Singapore Airlines fliegen wir ab dem JFK-Airport etwas wackelig, aber doch zügig (unter 7h) und schmerzfrei zurück nach Frankfurt. Dort gibt es neben der obligatorischen (aber überschaubaren) Verspätung, den auch fast schon obligatorischen Bahnsteigwechsel. Vielleicht müsste die DB (analog zu den USA oder anderen Ländern bzw. ähnlich demm Flugverkehr) auch mal darüber nachdenken, die Bahnsteigzuordnung nicht dauerhaft festzulegen, sondern diese flexibel gestalten und immer erst kurz vor Abfahrt des Zuges das betreffende Gleis angeben.

Abgesehen von dem kleinen Bahn-Fauxpas bin ich nach drei Monaten (Abwesenheit und nur ernährt von kritischen Medienberichten) dann aber doch wieder überrascht, wie proper trotz allen Baustellen und Problemen die deutsche Infrastruktur im Vergleich zur USA steht. Vielleicht verkläre ich etwas, aber vieles in den USA erschien mir um einiges dreckiger und abgewirtschafteter. Wenn wir es besser schaffen würden, statt vielem amerikanischen Müll, die wirklich guten Dinge aus den USA zu importieren (vor allem die positiven Grundeinstellung und die angenehm freundlich und höfliche Art im Umgang miteinander), dann müssten wir sicherlich weniger Angst vor zukünftigen Wahlen haben.

In der Tat besonders schön und freundlich werden wir dann in Esslingen von den Nachbarn empfangen und am Abend dürfen wir auch gleich noch toll mit Tante Susanne feiern. Schön nach einer spannenden Reise wieder zu Hause zu sein. Ich nehme mir fest vor meine positive Stimmung/Einstellung lange zu erhalten und maximal weiterzugeben. Vielleicht reicht es bis zur nächsten Reise ;-)

Datum: 05.09.2026 (Tag 92) - Tachometerstand: 112860km - gefahrene Kilometer Auto: 14640km (davon USA: 13748km / Kanada: 892km) - gefahrene Kilometer Fahrrad: 860km - Ort: Esslingen (Deutschland)

Reisen: