Sri Lanka mit dem Rad

Endlich ging es los – mal wieder eine Radtour durch ein Land, in dem ich noch nie gewesen war. Für nur 25 Tage hatte ich zunächst ein schlechtes Gewissen, so weit zu fliegen. Aber ich wollte in die Wärme, etwas Neues erleben und einfach etwas, das anders ist. So fiel meine Wahl schließlich auf Sri Lanka.

Mit einem Direktflug – was wegen des Irankrieges durchaus von Vorteil war – ging es nach Colombo. Sowohl mein Fahrrad als auch ich kamen problemlos an. Schnell noch Geld abheben, eine SIM-Karte am Flughafen besorgen und schon ging es mit dem Taxi weiter nach Negombo ins Hotel.

Das Rad war rasch zusammengebaut und ich konnte direkt eine kleine Runde zum Supermarkt drehen. Am nächsten Morgen startete die eigentliche Tour.

35 Grad Hitze, chaotischer Linksverkehr und Verkehrsregeln, die offenbar eher als Vorschlag verstanden werden, forderten sofort meine volle Aufmerksamkeit. Gegen den Uhrzeigersinn wollte ich der Küste folgen. Zunächst führte mich der Weg durch die Hauptstadt Colombo und anschließend weiter in den Süden.

Vor Galle besuchte ich das Tsunami Center, das eindrucksvoll die schrecklichen Ereignisse des Jahres 2004 dokumentiert. Die Bilder und Berichte über die verheerende Katastrophe mit ihren tausenden Opfern gingen unter die Haut.

Weiter ging es rund um den Süden der Insel. Auf den Hauptstraßen kam man zwar schnell voran, doch der Verkehr war wirklich anstrengend. Tuk-Tuks, Autos, Lkws und vor allem die Busse donnerten dicht an mir vorbei. Viele Fahrer schienen zu glauben, dass es mir gefallen würde, möglichst knapp überholt zu werden – selbst wenn kein Gegenverkehr kam.

Auf den Nebenstraßen war es dagegen deutlich angenehmer. Kaum Verkehr, fast jeder winkte freundlich und überall hörte man die Rufe der Pfauen oft schon, bevor man sie sehen konnte.

Besonders spannend wurde es im Yala-Nationalpark. Dort versperrten mir plötzlich wilde Elefanten den Weg, und ein aggressiver Bulle wollte mich partout nicht vorbeilassen. Erst im Schutzschatten eines Lkws gelang es mir, sicher an ihm vorbeizukommen. Einen Tag später sah ich am Abend sogar eine ganze Herde mit etwa 50 Elefanten auf einem Feld – ein beeindruckender Anblick.

In Trincomalee legte ich einen Stopp zum Tauchen ein. Bei 30 Grad warmem Wasser war es unglaublich angenehm, so lange unter Wasser zu sein. Weniger schön war allerdings der viele Müll. An fast jeder Koralle hing entweder eine Plastiktüte, ein Stück Netz oder anderer Abfall. So etwas hatte ich zuvor noch nie erlebt.

Danach ging es weiter ins Landesinnere zu den touristischen Highlights der Insel: zur beeindruckenden Felsenfestung Sigiriya Lion Rock und zum Pidurangala Royal Cave Temple.

Anschließend führte mich die Route nach Kandy, wo ich wegen einer Erkältung leider fünf Tage pausieren musste.

Was danach kam, würde ich als das Highlight der gesamten Reise bezeichnen. Vorbei an Reisfeldern, Gemüseanbaugebieten und vor allem durch unzählige Teeplantagen führte mein Weg durch das Hochland Sri Lankas. Die langen Anstiege kosteten mich viele Liter Schweiß, und so manche gute Asphaltstraße verwandelte sich plötzlich in eine ausgewaschene Schotterpiste, die nur schwer zu befahren war. Doch die grandiosen Ausblicke und abends ein kühles Bier zusammen mit gutem Essen gaben mir immer wieder genug Motivation für den nächsten Tag.

So ging es kreuz und quer durchs Land, bis ich schließlich wieder in Negombo ankam. Dort hatte ich meinen Fahrradkarton im Hotel eingelagert. Schnell war das Rad wieder verpackt. Zum Abschluss gab es noch einmal leckeren Tintenfisch und dazu ein – ach nein, zwei Bier, bevor es am nächsten Tag zurück nach Hause ging.

1708 Kilometer hatte ich insgesamt zurückgelegt. Ich habe viel Neues gesehen, freundliche Menschen kennengelernt und unglaublich leckeres, scharfes Essen gegessen – auch wenn ich oft nicht genau wusste, was eigentlich vor mir auf dem Teller lag. Gleichzeitig habe ich mich aber auch immer wieder über die Rücksichtslosigkeit und Unachtsamkeit im Straßenverkehr geärgert.

Trotzdem bleibt Sri Lanka für mich ein faszinierendes Land voller beeindruckender Landschaften, herzlicher Menschen und unvergesslicher Erlebnisse.