Seit den Lofoten sind wir auf dem Rückweg. Aber das Ganze soll, wie schon der Weg dorthin, langsam vonstattengehen.
Nach Bodø geht es mit der Fähre - für uns leider erst mit der zweiten. Die erste, direkte Fähre ist voll, und genau ein Fahrzeug vor uns wird die Beladung gestoppt.
Nun heißt es, erneut auf die nächste Fähre zu warten. Diese macht einen Umweg über zwei kleinere Inseln. Immerhin bekommen wir so für das gleiche Geld mehr Stunden Schiffsfahrt. Dafür kommen wir erst nachts in Bodø an und müssen im Regen noch schnell einen schönen Stellplatz finden, was uns aber auch gelingt.
Gleich am nächsten Morgen sind wir am Saltstraumen, dem stärksten Gezeitenstrom der Welt. Nicht nur das Schauspiel der Strudel und der starken Strömung lockt uns hierher, sondern auch die Angelrekorde, die hier bereits aufgestellt wurden.
Mit einer stabilen Rute und einem wegen der Strömung besonders schweren Köder versuche ich mein Glück. Geduldig werfe ich den Köder immer wieder aus und beobachte andere Angler, die schon nach kurzer Zeit aufgeben. Doch auch ich muss am Nachmittag meine Angel einpacken, ohne einen einzigen Biss gehabt zu haben. Schade - aber schön war es trotzdem, dort zu angeln.
Wir folgen weiter der Küstenstraße und müssen immer wieder Fähren nehmen, die zwar oft kostenlos sind, aber viel Zeit kosten. Kurz vor einer Fährüberfahrt finden wir einen schönen Übernachtungsplatz mit Blick auf Norwegens zweitgrößten Gletscher, den Svartisen. Am folgenden Tag überqueren wir den Polarkreis in Richtung Süden.
Eine kleine Wanderung führt uns zu einem Loch im Berg, das besser unter dem Namen "Torghatten" bekannt ist. Bis zu 35 Meter hoch und 160 Meter lang ist dieses eindrucksvolle Loch im Berg. Von dort bietet sich uns ein wunderbarer Ausblick auf die Schärenlandschaft.
Bis nach Trondheim bleiben wir der Küstenstraße treu. Wir finden schöne Übernachtungsplätze am Fjord, haben etwas Glück beim Angeln vom Kanu aus, bekommen Besuch von einem neugierigen Seehund und sehen sogar einige Male Schweinswale.
Doch auch im Landesinneren haben wir Glück. Nach einer kalten Nacht bei -5 Grad im Dovrefjell können wir bei strahlendem Sonnenschein eine längere Wanderung unternehmen. Dabei sehen wir insgesamt sechs Moschusochsen, die uns sehr beeindrucken, denn schließlich sind sie kein alltäglicher Anblick.
Weiterhin meiden wir die großen Straßen und fahren am Rondane-Nationalpark vorbei. Die Wälder mit dem hellgrünen Rentiermoos und der glasklare Fluss neben der Straße sind mir noch gut in Erinnerung. Deshalb erkenne ich die Strecke sofort wieder, die ich vor über 25 Jahren mit dem Fahrrad zurückgelegt habe - damals bei weniger als zehn Grad und Regen, nicht wie jetzt bei Sonne und milden Temperaturen.
An der E3 machen wir auf einem Rastplatz beim größten Elch der Welt Halt. Ganze 10,3 Meter hoch und 12 Meter lang ist dieser Elch aus Edelstahl. Selbst von weniger aufmerksamen Autofahrern ist er kaum zu übersehen - und schön poliert ist er ein echtes Schmuckstück.
In etwas längeren Etappen geht es zurück nach Schweden und weiter in Richtung Göteborg. An den letzten beiden Tagen finden wir noch einmal Pfifferlinge und genießen schöne, einsame Übernachtungsplätze. Schließlich verabschieden wir uns mit einer Träne im Auge von diesem wunderschönen Fleckchen Erde.
Lange kann ich allerdings nicht trauern: Kaum haben wir den Hafen verlassen, geht es schon ans skandinavische Buffet - Schlemmen ist angesagt!
Bei Sonnenschein laufen wir in Kiel ein, was ebenfalls sehr schön ist. Danach folgt ein Familienbesuch, der mir die Heimkehr erleichtert. Auch hier müssen wir nicht hungrig weiterziehen und bekommen sogar noch Verpflegung mit auf den Weg.
Für die Nacht steuern wir denselben Platz an wie auf dem Weg in den Norden. Von dort ist es nicht mehr weit bis nach Hause.
Auch im Herbst war Skandinavien wunderschön: all die Farben der sich verfärbenden Wälder, die schmucken Häuser mit ihren außerordentlich gepflegten Gärten, die einsamen Straßen und Pisten, Rentiere, Elche, Adler und vieles mehr. Überall Natur, viel Platz und grenzenlose Freiheit.
Das war ganz sicher nicht das letzte Mal!
04.09.2006 117153km
04.10.2006 123006km
30Tage 5853km



























